Der VII. Hans-Peter-Hansen-Cup oder wie unsere Helden tilten
von Thomas Lorenzen

Der VII. Hans-Peter-Hansen-Cup oder wie unsere Helden tilten Schön ist es auf der Welt zu sein, sang doch nach der Gruppenauslosung der Käptn neben mir, erwähnte zwar beiläufig - quasi zwischen den Zeilen - irgend etwas fehlendes, war sich dessen aber trotzdem ganz ganz sicher. Und der Leser ahnt es, diese Zeilen können nur dem zweiten Weihnachtstag bestimmt sein. Richtig! Auch wenn von der Auslosungsfeier die ein oder andere Anekdote auf einen Zuhörer wartet. Auch wenn sich Jens Paulsen einen famosen Witz ausgedacht hat. Auch wenn wieder mit leeren Colaflaschen und Nordfrieslandfahne gewedelt und geklopft wurden. Es hilft nichts: Dieser Text handelt vom Cup.
Rückblickend sollen wir uns da an ein feines Fest erinnern. Ja, an ein feines Fest. Der Ruhm wird an dieser Stelle sonst nur so fässerweise über Mannschaften und Spieler verschüttet. Tenor: Alle lagen sich bekanntlich in den Armen und benahmen sich, als hätte es Schlösser im Sommerschlußverkauf gegeben. Die Schlösser hatten wir natürlich längst unter uns aufgeteilt. Vitamin B und so. Und irgendwie ist die ganze Geschichte rausgekommen. Das kann schon frustrieren. Dazu noch das Glücksbärchitrikot vergessen ("stehen die Schnitten voll drauf!"), die Katze in den Ofen geworfen ("echt, ein Versehen!") und die Eros Ramazotti-Plattensammlung nicht gut genug vor den Freunden versteckt ("Ha-Ha"). Prima Weihnachten. Und dann noch der Cup. Würde sich gut auf dem Fernseher machen. Oh, darf man gar nicht mit nach Hause nehmen? Wer stellt denn hier die Regeln auf? Das sind ja keine Gegner! Verloren? Frust? Den wird man laut diverser Studien am besten bei den Organisatoren los. Die sind schuld. Und der Spielplan. Die Schiedsrichter. Das Veröffentlichen von Statistiken. Absolut keine Planungssicherheit. Miserable Ideen. Noch miserablere Ausführung. Da kann man ja nur verlieren, das Spiel, den Cup, die Lust. Die Freude der Deutschen an Dolchstoßlegenden ist ebenso legendär wie die Freude der Engländer an die sie auslösenden Niederlagen. Quasi nebenbei wird dann noch eine nur zum Spaß angetretene Mannschaft aus jungen Damen des 13. Jahrgangs und überlebenden 91'ern mit sage und schreibe 8:1 abgeschossen. Mit nur drei Mann einem Mädchen den Ball abnehmen, gehört schon zu den von allen lobend anerkannten Heldentaten, die man gerne - auch in späteren Jahren - in feuchtfröhlichen Runden immer wieder von sich geben kann. Für die persönliche Stastistik fügt man natürlich einen Hattrick hinzu. Und bei soviel Fußballgottheit gibt man sich auch schon großzügig und bescheinigt anwesenden Kritikern, "denen" ein Tor geschenkt zu haben. Davon war aber nichts zu sehen. In der Fußballgeschichte gab es nicht viele Tore, die mit mehr Kampfgeist herausgeholt wurden. Ute Baiers Anschlußtreffer war zudem ein wunderschöner Schuß aus 12 Metern in den Winkel und sogar gewähltes Tor des Turnieres.
Hat hier der Cup seine Unschuld verloren? Es soll ja nicht verboten werden zu siegen. Wir zählen nicht umsonst die Tore. Aber das Ganze hat auch mehr zu sein. Es soll Spaß machen, es soll Freude vorherrschen. Jeder ärgert sich über Niederlagen, die Kunst ist es aber mit ihr umzugehen. Gewinnen wollen, verlieren können - so sollte es sein. Größenwahnsinnige Pläne, im Vorfeld geschmiedet, dürfen nicht dazu führen aus dem "jahrgangsübergreifenden Happening" ein Schlachtfeld zu machen. Man kann deutlich schlechtere Mannschaften auch mit Stil besiegen. Man kann, nein man muß die Unzufriedenheit mit sich, auch mit sich selbst klären. Wer den Cup gewinnen will, muß eben alle schlagen. Da rettet keine Regel. Kein Gejammer. Keine billigen Ausflüchte. Vielleicht sollte das Wort "Spaß" so oft benutzt werden, bis auch der letzte Idiot begriffen hat, worum es gehen sollte. Und um den Finalisten und Schatzmeister a.D. Thomas Grund zu zitieren: "Es ist so gut, wie man es sich selbst macht". Recht hat er. Und Meister der Doppeldeutigkeiten war er ja schon mit 12.
Und vor lauter Freude über die Existenz Andersdenkender kommt dieser Text endlich zu den Highlights des mittlerweile siebten Cups. Einige werden nun die freudige Botschaft eines vollendeten Cupvideos erwarten, eventuell von des Fackelläufers Hochzeit hören wollen oder wie der Käptn zusammen mit Olli-Tormaschine-Schmitz Torschützenkönig wurde. All diesen hoffnungsvollen Gedanken wird natürlich prompt einen Tritt in den Arsch gegeben. Und mit viel weisen Worten in die Zukunft geschleudert. Irgendwann schauen wir da mal vorbei. Doch bis es soweit ist, werden wir die angekündigten Höhepunkte noch mal Revue passieren lassen. Remco hat von dieser Formulierung eine andere Vorstellung, die viel mit Radschlagen und wenig mit Kleidung zu tun hat, dies ist jedoch eine andere Geschichte.
Wer dem Cup seine Aufwartung machte und voller Geduld das Endspiel sah, konnte auch den Siegern gratulieren. Die bis dahin nur als Geheimfavorit einsortierten 97'er, hatten ihren verlorenen Sohn Andy Müller-Rode zurückgeholt und wanderten souverän in die Cupgeschichte mit nur einem Gegentor und einem Gegenpunkt und ihrem ersten Cupgewinn. Ihr Siegeszug wurde bedauerlicherweise nur mit einem Fan geehrt, das tat der Siegesfreude natürlich keinen Abbruch. Selbst den Gral nahmen sie geschwind unter ihre Fittiche, ohne zu ahnen, daß sich das erstens nicht gehört und zweitens sein Platz auf einem Regal in Wester-Ohrstedt ist. Da steht er aber auch gut.
Während die Fahnen eingeholt, Veras Weihnachtswunderland gesäubert und Excalibur in den Müll geworfen wurde, da erklang aus den Tiefen der Halle, genauer gesagt: aus den Umkleideräumen lauter Gesang. Nicht endenwollender Gesang. Selbst als der Zettel mit der Lage von Atlantis in das Cuparchiv einsortiert wurde und die Cassette, die den Sinn des Lebens enthielt, gelöscht wurde; selbst da klang noch Gesang in den Ohren der ordnenden Kräfte. Es waren die leicht angetrunkenen 94'er, die trotz verlorenen Finales nicht aufhören wollten ihr "Finale, ohohoho, Finale" zu intonieren und zwischendurch mit einem "No one likes us - we don´t care" zu schmücken. Und im geistigen Rückblick fiel der Blick auf die anderen Mannschaften, wie die anderen 91'er, die ebenso wie die oben erwähnten Kritiker das Halbfinale nicht erreichten. Der unglücklich eingefangene Ausgleich kurz vor Schluß hielt Spieler wie Sascha Behrens nicht davon ab, dem Gegner die Hand zu geben und zu verkünden, beim nächsten Cup sei man wieder dabei. Das sind die kleinen Momente, in denen man sich freut dabei gewesen zu sein. Eine schöne Floskel. Man sollte ihr ein Gedicht widmen. Vielleicht erwähnt man den Gralkampf so ganz nebenbei. Aber das Leben zeigt hier seine fiesen Seiten, niemand besingt unsere Heldentaten. Das näher auszuführen ist sicher eine gute Idee, doch sollte sich dieser Text so langsam dem Ende nähern. Und die Freunde und Förderer von Spielgestaltungsideen brauchen ja auch noch ihren Fetisch und so dienen diese Zeilen nun dem alten Aufruf, daß demjenigen, der einen Spielplan abliefert, der bei 16 Mannschaften jeder drei Spiele garantiert und dessen Gesamtspielzahl unter 27 liegt, einen Kasten Bier bekommt und einen Kuß von Florian. Oder muß er Florian küssen? Ach, die Zeit trennt schon mal wichtige Daten im Hirn von simplen Fakten.

"Die Soldaten der Demokratie weinen nach der gewonnenen Schlacht"

Jahr für Jahr versichern sich auch einige Menschen, was immer kommen mag, was immer passiert, sie werden an diesem Tag kickern. Und sollte nur ein sumpfiger Platz bereitstehen und ein Eisregen herunterkommen, den andere für die Strafe irgendeines Gottes halten würden.
Wir werden da sein und den Ball treten. Daran glauben wir. Nur so.

 

(aus der Ehemaligenschrift IV)