Drei Stimmen. Der VIII. Hans-Peter-Hansen-Cup
von Thomas Lorenzen, Jan Kobarg und Sünje Nicolaysen

Der Organisator:

Es war ein Traum. Kirschblüten fielen von der Decke, Feinde lagen sich in den Armen, und eine Ratte der Lüfte legte mir einen Ölzweig vor die Füße. Toll, dummes Vieh, ich stand doch schon auf festem Land, was soll die Botschaft? Der Fußball kehrt aber schon in diesen Text ein. Denn selten habe ich die Sportler sich ihren Namen auch verdienen sehen. Kein Gemeckere, kein Gejammere, als ob alle ihre Lehren aus dem mißratenen Cup 1998 gezogen hätten.
Soll jemand hervorgehoben werden? Ein paar vielleicht: Die Sieger des Fair-Play-Pokals beispielsweise: Abi 97. Die wissen noch gar nichts von ihrem Ruhm, und doch haben sie ihn verdient. Sofort nach Abpfiff des für sie verlorenen Endspiels klatschten sie den Siegern Abi 91 II Applaus, gratulierten ihnen und liefen die Ehrenrunde auch noch ein Stückchen mit. Das war hoch anständig und vorbildlich. Und daß der Fair-Play-Pokal doppelt so groß ist wie unser geliebter Gral, mag die Welt hoffentlich als Botschaft verstehen. Manche Dinge muß man ja etwas lauter von sich geben, um verstanden zu werden. Auch Gyde Weber und Dorothee Petereit sollten nicht vergessen werden. Ohne eigentlich einen unmittelbaren Bezug zum Cup zu haben, halfen sie tatkräftig beim Abbauen mit. Oder Marius Ütö. Als Kameramann engagiert, spendete er sein Gehalt - für ihn selbstverständlich - der SJG. Respekt. Und natürlich soll Jens Paulsen, der Fackelläufer, nicht unerwähnt bleiben, der hämmerte im Halbfinale beim Siebenmeterschießen den letzten, alles entscheidenden Siebenmeter dem gegnerischen Torwart und späteren Sieger Arne Kobarg in den Bauch. Dem tut die Stelle immer noch weh...
(Thomas Lorenzen)


Der Spieler:

Werden wir doch irgendwann "ERWACHSEN"....? Das war es also wieder einmal: Der 8. Cup ist ausgespielt, und man wartet aufs nächste Spiel im nächsten Jahr. Aber dieser Cup war für mich persönlich anders. Daß mein Team (ABI 92) wieder einmal nach der ersten Runde ausschied oder daß das Team von ABI 91 wieder einmal gewann, ist ja auf den ersten Blick nicht weiter verwunderlich, aber trotzdem treibt mich eine seltsame Erkenntnis dazu, mich an den Laptop zu setzten und zu Papier zu bringen, was in mir passierte. Es war nämlich gar nicht so schlimm, wie immer in der ersten Runde ´rauszufliegen. Es tat nicht weh, in der Seele meine ich. Wir hatten das erste Spiel souverän gewonnen, und so war das Tournier sogar länger als gewohnt spannend. Das zweite Spiel wurde angepfiffen, und wir bezogen eine ordentliche Tracht Prügel von den Gewinnern des Vorjahres. Und ja, sie waren die sogenannten "Jungspunde" und ja, sie hatten Auswechselspieler und wir nicht, aber das ging voll in Ordnung. Sie waren um Längen besser als wir und gewannen zu Recht (Auch in der Höhe). Sonst war das ganze Team immer am Boden zerstört nach so einer Niederlage. Auch dieses Mal waren wir am Boden, aber nur der mangelnden Fitness wegen und keiner meiner Mitspieler verfiel in das so geliebte und oft gepflegte Selbstmitleid nach einem Debakel wie diesem. Alle waren zufrieden, zwar vorgeführt worden zu sein, aber die Haltung nicht verloren zu haben.
Man hatte sich also damit abgefunden, wieder an der Vorrunde zu scheitern, und verlegte seine Aktivitäten in der gewohnt langen Spielpause in andere Gefilde. Es war schön, die alten Bekannten wiederzusehen und am Spielfeldrand mit der Flasche Flens in der Hand üder die Stärken und Schwächen der anderen Teams zu diskutieren. Dazu ist das Turnier ja auch ehedem erschaffen worden. Vor dem letzten Spiel, genauer eine Minute vor Anpfiff des Selbigen, kam dann auf einmal doch Hektik in die Harmonie: Plötzlich waren wir nur noch zu viert, weil Mathias Bensel los musste. Tolle Wurst! Einfach so! Und was nun ? Wir brauchten einen neuen Mann, und zwar einen, der noch nicht gespielt hatte. Woher nehmen und nicht stehlen ? Da leuchteten die so gar nicht zu Olli Michaelsen passen wollenden Turnschuhe plötzlich in schillernsten Farben ,und es war klar: Olli oder Keiner ! Es muß wohl Fügung gewesen sein, daß Olli nicht seine normalen Schuhe anzog, als er zur Halle fuhr, denn nach eigenen Aussagen ist er der schlechteste Fußballer der Welt und wollte sich ganz gewiss nicht vor aller Welt als eben dieser bloßstellen. Aber was nützte es. Nachdem ich ihn so flehendlich bekniete, genau das zu tun, und er auch noch feststellte, daß auch sein Busenfreund Paul in unserem Team spielte, raffte er sich auf und betrat, begleitet von großartigem Applaus, das Feld der Ehre. Und genau das wurde es dann auch für ihn! Nach dem Abpfiff waren wir zwar wieder völlig erschöpft und hatten auch wieder verloren, aber das "WIE" war entscheidend. 3:4 verloren, aber grandios gekämpft. Olli im Tor musste zwar vier mal hinter sich greifen, aber vereitelte auch so manche Chance des gegnerischen Teams, das es irgendwie gar nicht fassen konnte, daß wir plötzlich aufholten. Okay, am Ende gingen wir als Verlierer vom Feld, aber wir wussten, wir hatten etwas geleistet: Wir hatten einfach so gespielt, als ginge es um die Wurst, und sogar Axel spielte einen Paß nach dem anderen. Mit ein bißchen mehr Glück....,aber egal, wir waren glücklich. Olli fragte mich sogar, als wir vom Feld gingen und ich ihm gratulierte, ob er nächstes Jahr wieder mitspielen kann. Das hätte ihm gerade richtig Spaß gebracht.
Da war es mir zum ersten Mal völlig egal, daß es nun hieß: Ab zum Duschen! Wir hatten als Team gekämpft, und ich sage mal ehrenhaft verloren und konnten mit erhobenen Köpfen die Hände der anderen Spieler schütteln. Danach folgten dann irgendwann die Halbfinale und das Finale. Nach einem fulminanten Abschluss des Turnieres durch das großartige Finale, aus dem wie erwähnt ABI 91 als Sieger hervorging, ging ich glücklich und zufrieden nach Hause. Dort legte ich meine Füße hoch, genoß den langsam aufkommenden Muskelkater und wartete auf die bestellte Calzone. Was für ein Tag ! Verloren, aber glücklich ! Und ich hatte plötzlich diese Frage im Kopf: Werden wir doch irgendwann erwachsen....? Wenn es bedeutet, daß ich nächstes Jahr zum Cup fahre und es mir dann wieder gar nichts ausmacht ´raus zu fliegen und ich trotzdem meinen Spaß habe, dann Bittesehr. Dann werde ich gerne erwachsen und freue mich auf das, was mir das Leben noch bringen mag.
P.S.:Und wenn es bedeutet, daß ich wieder mehr Tore schiessen werde als mein Bruder, dann soll es mir erst Recht recht sein.
(Jan Kobarg)


Die Frau:

Nun mal ehrlich Mädels, die wenigsten von uns, setzen sich alljährlich am 2. Weihnachtstag auf die harten Bänke der TSS Sporthalle, um sich Sport treibende, schwitzende Männer bei dem Kampf um den Ball anzuschauen. Ja, Jungs, es tut uns leid, Ihr seid nur Nebensache bei diesem alljährlichen, weihnachtlichen Spektakel, dem Kickerturnier! Viel eher geht es uns dabei, um eine hochkonzentrierte Form der Tätigkeit, die schon früher (ja früher!) unsere Pausen in der TSS füllte: "Sich mit und über unsere lieben Mitmenschen zu unterhalten"! Da sind sie, die Schwärme unserer Jugend, sie stürmen das Feld, sehen noch ebenso süß aus wie damals, als man kichernd an ihnen in der Pausenhalle vorbeischlich, ihre Fotos aus den Abizeitungen oder der Jubiläumsschrift schnitt, und sie sich ins Portemonnaie steckte. (Habe ich persönlich nie gemacht...) Oder auch nicht! Denn manch einmal möchte man sie gar nicht mehr als "Schwarm seiner Jugend" bezeichnen, oder sie kommen einfach gar nicht. Naja, da man meist mindestens neun Jahre Zeit hatte, die TSS Pausenhalle zu durchforschen, gibt es da immer irgendjemanden...
Und so kann man es dann auch einfach nicht lassen, jede Person, die die Halle neu betritt, zu begutachten: a) Wer ist es? b) Verändert / unverändert? Dann kommt meist der Hieb in die Seite unserer Nachbarin, das Kopfnicken in Richtung Eingang. Jungs legen sich Bierbäuche und Bärte zu, Mädels Männer und Kinder! (Bei jedem Cup frage ich mich, wie schaffen es die Kobargs eigentlich, so süße Kinder in die Welt zu setzen?)
Zurück zur Bank! In der Tat ist es ein schönes Gefühl, wenn man mal wieder von "unseren Jungs" sprechen kann. >Hej, nun sind unsere Jungs auf dem Feld<, denn wann kann man schon mal wieder in dieser alten Ausdrucksweise sprechen? Das ist doch heutzutage für uns schon fast zu einem Archaismus geworden! Ja, das ist schön, mal wieder zusammen die "Sport"bank drücken zu können und das alte Klassen- resp. Jahrgangszusammengehörigkeitsgefühl auszuleben. Auch wenn diesem Ausdruck nun ein leichter Bedeutungswandel wiederfahren ist, denn schon lange nicht mehr, sind "unsere Jungs" wirklich unsere Jungs. Aber eins ist sicher: Jungs, Euch zuliebe, springen wir auf die Bänke, trillern mit irgendwelchen, billigen Pfeifen, machen uns lächerlich und schreien uns die Kehle wund! Und wenn das Anfeuern mal ausbleibt, dann nicht, weil die Spieler, bzw. das Spiel, weniger interessant sind / ist, sondern weil uns irgendetwas ablenkt. - Es soll ja tatsächlich schon vorgekommen sein, daß Spieler sich nach dem Cup über unzureichendes Anfeuern beschwert haben. (Anm. d. Verf.: Tja Thomas, das hast Du nun davon!) - Das weibliche Geschlecht läßt sich nun mal sehr schnell ablenken! Da reichen keine mehr oder weniger durchtrainierten Männerwaden und auch keine raffinierten Ballkünste aus, um unsere Aufmerksamkeit voll und ganz zu bannen! (O.k., es gibt natürlich immer mal wieder Ausnahmen!)
Tatsache ist ja nun mal, daß sich beim Cup der größte Teil außerhalb des Spielfelds abspielt. Da wird die Wiedersehensfreude zelebriert, da werden alte Haßtiraden aufgefrischt, da wird sich umarmt, da werden eiskalte Blicke verstreut. Da werden Emotionen ausgelebt! Aber dann sind da schließlich noch diese unliebsamen, ja fast peinlichen, Situationen. Nennen wir sie mal die "Und... was machst DU jetzt so" -Situationen! Voraussetzung für diese Situationen ist, daß sich die Gesprächspartner schon früher nicht viel zu sagen hatten. Die Regeln sind ganz einfach: Beide Gesprächspartner heucheln Interesse für die Finessen des derzeitigen Lebensabschnittes des anderen vor, und niemand mag so richtig das Gespräch abbrechen. Stattdessen gibt der Zuhörer ununterbrochen Kontaktsignale wie z.B. mhm, das ist ja interessant oder ach Gott von sich und wartet auf den Sprecherwechsel durch Aufforderung: Und Du? Was machst Du jetzt so? Da dreht sich dann lediglich der Spieß um. Länger als fünf Minuten dauert solch ein Gespräch jedoch glücklicherweise nie. Wenn man aber bedenkt, daß man bei jedem Cup mindestens fünf oder sechs Mal in diese brenzlige Situation gerät, kommt da schon einiges an Zeit zusammen. Aber genug dessen. Schließlich wollte ich ja über den Cup aus der Sicht einer Frau schreiben und nicht über die Tücken der Kommunikation mit alten Schulkameraden. Der Cup stellt also für mich, und sicherlich auch für viele andere, einen überdimensionalen Kaffeeklatsch mit nicht enden wollendem Gesprächsstoff dar. Und niemand kann mir erzählen, daß es den männlichen Cupteilnehmern und -besuchern nicht auch so geht. Es ist ja schließlich auch nichts verwerfliches, wenn man sich mal einen Nachmittag für seine Mitmenschen interessiert... Also Thomas, "Hut ab" vor all Deinen Spieleraufstellungen, Statistiken, d.h. der gesamten Cuporganisation. Ich weiß das alles zu schätzen, komme auch immer wieder gerne, muß jedoch gestehen, daß ich auf dem Rückweg vom Cup nach Hause meist nicht mal weiß, wer im Viertelfinale war, geschweige denn, welche Mannschaft nun den Gral gewonnen hat. Aber ich bin trotzdem immer zufrieden, denn ich habe meist andere Dinge erfahren. Viel interessantere, lebensnahe Dinge...
(Sünje Nicolaysen)

 

(aus der Ehemaligenschrift VI)