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Der
IX . Hans-Peter-Hansen-Cup
von Glenn Ray
Es war ein
sympathischer Tag. Einer dem man gerne begegnet. Der in Erinnerung bleibt
und beim hoffnungslos im Regen stehend auf den Bus wartend etwas Hoffnung
schenkt. Das machen Tage, wenn sie gut gelaunt sind. Und eben sympathisch.
Ich spreche vom zweiten Weihnachtstag 2000. Die meisten wissen Bescheid,
die Ehemaligen der TSS, die Freunde der Ehemaligen, die baldigen Ehemaligen
der Oberstufe, die Ehemaligen der HTS und diverse andere zum Beispiel.
Die wissen davon. Und wenn sie nicht lieber etwas langweiliges im Fernsehen
schauen kommen sie auch. Sie reißen nicht durchweg zweideutige Witze,
einige von ihnen aber schon. Man kennt diese Typen. Aber nichtsdestotrotz
werden an diesem Tag die Familie allein gelassen, die Turnschuhe zwischen
den Ersatzteilen für die Rasenmäher gesucht und frohen Mutes der Weg zur
Hans-Peter-Hansen-Halle gegangen.
In der Halle finden sich neben irgendwelchen Uraltspielern, die sich meist
ähnlich schnell wie ihre eigenen Denkmäler bewegen von denen sie ihr Leben
lang noch träumen werden und manchmal auch genauso aussehen. Und nachdem
der durchschnittliche Abiturient nach ca. 10 Jahren entdeckt, daß er nun
gefälligst reif und weise zu sein hätte und lieber selbst auf die Kinder
aufpaßt, während die Frau einen Urlaub mit den Babysittern in Mexiko verbringt.
Genau in dieser Phase gingen dem Cup die Abi 90er verloren. Schade eigentlich.
Wirklich. Nur der arme Thomas Pickhardt stand allein am Spielfeldrand
und fühlte sich eigentlich noch fit genug, um mit diversen Jungspunden
mitzuhalten. Generell kann man schon festhalten, daß die Jungspunde noch
genug Energie und Luft haben, um die alten Herren auf dem Platz zu überholen,
dreimal zu umrunden und dann unbemerkt - weil einfach zu schnell fürs
Auge - ihr Tor machen. Die Sauerstoffzeltindustrie verdient sich ja nach
jedem Cup dumm und dusselig. So steht es zumindest in den Einführungsbroschüren
für junge Wilde. Doch niemand rechnet mit diesen verbissenen Alten, die
lieber ihr Leben lassen, als sich auch nur einmal geschlagen zu geben.
Und wenn mancher nur noch vom frohen Gedanken an eine neue Hüftprothese
auf das gegnerische Tor getrieben wird, dann kann sich der Leser eines
sicher sein: Der Autor redet baren Unsinn. Der Leser will sicher Fakten,
Zahlen und wuschig machende Statistiken. Das lockt die jungen Frauen in
Scharen an. Damit kann geprotzt werden. Was man ja dem niemals lügenden
“Handbuch für den Einstieg in das Mathestudium” entnehmen kann. Und dem
will sich der Autor nicht verschließen.
Es nahmen 17 Mannschaften teil. Aha. Vier Gruppen. Soso. Die Sieger bestritten
das Halbfinale. Ja. Von Abi 91 bis Abi 2001 war alles dabei. Hört, hört.
Und gewonnen hat Abi 97. Zweiter wurde 92 I. Dritter Abi 91 II und Vierter
Abi 99 II. Oh. Torschützenkönig wurde Arne Kobarg. Ah. Genug Fakten? Vielleicht
noch die Mitteilung, daß das Finale im Siebenmeterschießen entschieden
wurde? Daß im selbigen Finale nicht ein Tor fiel, aber zum ersten Mal
eine Drei-Minuten-Strafe verhängt wurde? Daß der Schuldige André Albertsen
war, der als Torwart außerhalb des Strafraumes mit den Ball mit der Hand
spielte und damit eine Chance vereitelte? Daß Schiri Remco Krüger keine
Wahl hatte? Daß damit ein guter Torwart Tor und Feld verließ, aber mit
Andy Müller-Rohde von einem besseren ersetzt werden konnte? Daß die 92er
zum zweiten Mal im Finale standen und erneut im Siebenmeterschießen erledigt
wurden? Von den Torjägern der zweiten 99er-Mannschaft, die rekordverdächtige
18 Tore schossen und doch nur vierter wurden? Die im Halbfinale gegen
die 92er eines der spannendsten Spiele der Cupgeschichte ablieferten?
Wobei es immer noch beim vierten Platz bleibt?! Reicht das? Nein. Der
Leser will mehr. Ich ahne das. Ich weiß das. Ich spüre es in meinem linken
... aber das ist eine andere Geschichte.
Vielleicht sollte ich ein wenig von den Menschen erzählen. Von Vera und
Momke, die nun zum fünften und leider letzten Mal das Café namens “Veras
Weihnachtswunderland” betrieben. Von Simone und Natascha, die ihnen dabei
halfen. Von Arne Strasser, der den Kaffee trank. Von Inga und Florian,
die sich um die Cupstatistiken kümmerten. Von den 98ern, die sich gleich
in ihre Stammecke in der kleinen Halle zurückzogen und dort bis zum Schluß
blieben. Von den Neuen, dem sich wacker schlagenden 13. Jahrgang, von
der Glücksfee Christiane Degenhardt, der Akzente setzenden Katja Schmidt
der 95er und dem Kampf- und Laufwunder des 91 I-Teams: Riccardo Di Corato.
Vom neuen und immer souveränen Fackelläufer Michael Pahl. Von
den Helfern, die vor und nach dem Cup hart arbeiteten und sich danach
gemeinsam und glücklich den Bauch beim Griechen vollschlugen.
Vom bunten Abend in Blockhütte und Braukeller. Von den Freunden, die einen
plötzlich verkuppeln wollten und einen mit einer jungen hübsehn intelligenten
Dame allein am Tisch sitzen ließen. Von der Heimfahrt der letzten übriggebliebenen
4 in einem kleinen roten Auto, in dem auch noch ein Fernseher, das komplette
Café, alle Fahnen und noch anderer wichtiger Kram Platz fand. Vorne unter
dem Fernseher ein Beifahrer, hinten bei näherem Hinsehen: Schnitten in
Dosen. Irgendwie hatte das was. Das Gefühl kam auf , man gehöre einer
spontanen, unternehmungslustigen Gesellschaftsschicht an. Man lebte.
Ein schöner Tag. Aber das hatte ich ja auch schon gesagt, oder?
(aus der
Ehemaligenschrift VI)
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