Der XII. Hans-Peter-Hansen-Cup
von Gareth Southgate

Irgendwann mußte es einfach soweit sein. Der Cup überschreitet die Zahl der Mannschaften mit denen noch in vernünftiger Zeit mit Hilfe von vier Gruppen und zwei Finalrunden ein Sieger zu ermitteln ist. Jahrelang schrammten wir immer wieder ganz knapp am Überschreiten der 16 Mannschaften vorbei. Immer wieder retteten uns alte Recken, die ihr Stützkorsett nicht fanden oder Jungspunde, die nun im Ausland nach dem Sinn des Lebens suchten. Wohlweislich wurde schon ein Kasten Bier für einen Spielplan ausgelobt, der weiterhin allen Mannschaften drei Spiele garantiert aber eine bestimmte Spielanzahl nicht überschreitet, abgeholt hat sich den jedoch nie jemand und gerade 2003 wäre dieser Spielplan nötig gewesen. 18 Mannschaften standen als Teilnehmer fest und vor allem der damalige 13. Jahrgang - jetzt natürlich Abi 2004 - wäre sogar mit einer selten gesehenen Begeisterung mit vier Teams angetreten, wenn nicht ein Grätsch- und Laufwunder aus Versehen das Schnittenfußballteam abgemeldet hätte.

Während einige andere Mannschaften sich vor allem durchs Jammern in den letzten Jahren hervortaten, gab es hier einen überdeutlichen Willen zum Spaß am Fußball. Das ist verdammt schön anzusehen. Und irgendwo in den Kellern eines Archives in Wester-Ohrstedt, dicht neben einem merkwürdigen riesigen blinkenden Kasten auf dem “Traumjahrgangsmaschine” steht, fand sich ein Plan der den 12. Cup ermöglichte. Ein System für 18, wahlweise sogar 20 Mannschaften. Das System stiftete Verwirrung und Verzweiflung gleichermaßen, denn es war neu, anders und irgendwie seltsam. Nur noch eine Gruppe existierte und jeder spielte gegen die Mannschaft über und unter einem. Die erste Mannschaft - um den Kreis zu schließen - gegen die letzte Mannschaft. Die Zusammensetzung dieser einen Gruppe wurde in der Blockhütte von der zufällig des Weges kommenden Glücksfee Marie Behrenbruch ausgelost, wobei immerhin sechs Mannschaften so gesetzt waren, daß sie sich nicht in den beiden Runden begegnen konnten. Unter lebhafter Diskussion und bizarren Dialogen erfüllte der Plan seinen Zweck. Der einzig anwesende Computerkenner Sven C. erklärte sich mit 20 auf ihn gerichteten Augenpaaren schnell bereit eine Blitztabelle zu programmieren. Diese war nötig, da - nachdem jede Mannschaft zwei Spiele gemacht hatte - die ersten Acht ins Viertelfinale einzogen, während die letzten 10 die Plätze 11-18 ausspielten. Hier gab es dann das einzige Problem. Das erste Viertelfinalspiel konnte gleich im Anschluß an das letzte Gruppenspiel die gleiche Mannschaft beinhalten.

Und so kam es dann auch. Abi 92 III hatte zwei Spiele direkt hintereinander. Das ist natürlich arg ungerecht, aber bevor die Organisatoren eine Lösung parat hatten, kam die Stimme Tomas Schadwills durch die Menge hindurch, die nur eines sagte: “Wir spielen, wir sind Handballer!”. Sie taten es, verloren knapp und bekamen dafür umgehend nach Turnierende den Fair-Play-Pokal zugesprochen. Der war gar nicht so begehrt, wie es sonst den Anschein hatte, denn trotz der Ermahnung, daß Grätschen in der Halle böse, gemein, hinterhältig ist und vor allem zu einer dreiminütigen Strafe führt, konnten es einige nicht lassen. Insgesamt viermal mußten die Schiedsrichter diese Strafe aussprechen. Und natürlich war das nicht immer die beliebteste Idee. Aber meist gingen die Betroffenen doch recht ruhig damit um. Andere hätten vermutlich lieber andere gesehen, die auch vom Platz gestellt werden sollten. Doch die Schiedsrichter müssen erst einmal zum Mut finden, das auch zu tun. Und ihnen ist zusätzlich auferlegt worden, sich nicht beleidigen zu lassen. Viel und Wichtiges zu entscheiden für die wenigen Freiwilligen, die danach noch in aller Ruhe den Autoschlüssel umdrehen wollen. Der neue Spielplan brachte ein wenig Unsicherheit in die Spiele. Wie muß ich spielen, um weiterzukommen? Daß ein Sieg meist reichte - zumindest statistisch vorausberechnet - hielt die meisten nicht davon ab, sich eher defensiv zu orientieren und lieber erst mal nicht verlieren zu wollen. Die Null stand oft beim 12. Cup, doch irgendwie schien das nicht allzuviel zu stören. Denn die Hallen waren gefüllt wie noch nie.

Hunderte saßen an drei zur Verfügung stehenden Seiten, so daß in den Stoßzeiten eigentlich kein Platz mehr da war. Das ist schon grandios. Auch die Teilnahme bis zum Schluß war nicht zu verachten. Ob das an dem doch guten Fußball, den dramatischen Szenen, den gut aussehenden Menschen oder wohl doch am hervorragenden Café im Weihnachtswunderland lag, ist natürlich schwer zu entscheiden. Die Ursache in unterm Eis lebenden Zwergen zu suchen ist jedoch zu abwegig und gilt nicht als übliche Ursachenklärung. Dieses Jahr traten viele Mannschaften mit vielen Hoffnungen an. Dummerweise läßt das generelle Spielprinzip mit Tore-und Punktezählen-und-am-Ende-einen-Sieger-haben-wollen keinen pädagogisch wertvollen Ausweg zu. Und so muß irgendwann jemand verlieren. Das trugen die üblichen Verdächtigen natürlich mit Fassung, doch einige sah man doch schon enttäuscht in der Kabine verschwinden. Denn mit Fortschreiten des Turnieres klärten sich die Verhältnisse. Spreu und Weizen trennten sich und sicher hätten einige der letzten Zehn auch ein Viertelfinale verdient gehabt, aber ihnen kann man nur zurufen, es nächstes Jahr besser zu machen. Im Gegenzug wird man vermutlich ein hier nicht näher zu bezeichnendes Schimpfwort hören, das irreparable Schäden in Kinderhirnen auslöst und auf das hier nicht näher eingegangen wird. Vielleicht schulden wir unserem zunehmenden Alter auch eine gewisse Anfälligkeit. Die Zeiten in denen man uns nachts aus dem Bett zerren und Sprintübungen mit Handstandüberschlag befehlen konnte, sind irgendwie doch vorbei gegangen. Die kleinen Wehwehchen sind Fußballern ja eh schon immer ergeben. Und das große Heulen am Montagmorgen in der Schule über die schweren Verletzungen, die irgendwie von der ersten bis zur letzten Stunde immer mehr einer kombinierten Hai- und Tigerattacke glichen, sind noch nicht vergessen. Doch dieses Mal verletzte sich wirklich jemand schwer. Martin Metzner, die alte Cupikone riß sich ohne Feindberührung ein wichtiges Band unterm Knie, das noch am gleichen Tag operiert wurde. Zum ersten Mal mußte ein Krankenwagen den Cup aufsuchen und meinetwegen kann es nun auch das letzte Mal sein.

Die Viertelfinalspiele waren schon recht spannend, doch in den Halbfinals war wirklich Feuer drin. Hier waren auch die Mannschaften vertreten die von den 11 Cups bislang zusammengenommen schon 9 mal gewannen. Letztendlich mußten sich Abi 97 und Abi 92 II knapp geschlagen geben und die alten Kumpel von Abi 93 II und Abi 91 II standen sich mal wieder gegenüber. Waren die Halbfinalspiele hart umkämpft, so wurde nun friedlich das Endspiel ausgetragen. Die 93er fast am Ende ihrer Kräfte gaben sich so mit 0:2 geschlagen, nahmen ihren Freunden das nicht allzu krumm und freuten sich über den nicht ganz erwarteten Finaleinzug. Die Sieger waren gerührt und hatten mit fünf Siegen in fünf Spielen das Ding auch wirklich verdient. Mittlerweile übrigens zum vierten Mal. Rekordmeister. Abi 93 II hatte mit Timo Dohle immerhin noch den Torschützenkönig in ihren Reihen. Diesen Titel teilt er sich allerdings mit Mario Albertsen von Abi 97. Beide jeweils mit vier Toren. Und die 92er haben mit Axel Formeseyn immer noch den besten Torschützen der Cupgeschichte in ihren Reihen. Zu dumm allerdings, daß doch tatsächlich das Siegerfoto vergessen wurde zu machen. Das nenne ich mal einen handfesten Skandal. Die Verantwortlichen mußten dafür auch drei Wochen lang Tonenten fotografieren.

Das Ende des Platzes naht und noch kein Wort übers Aufbauen oder Abbauen? Die Cupteilnehmer hatten vorbildlich für alles genügend Leute bereit gestellt und wir hatten viel Spaß dabei. Wir bastelten umstrittene Fahnen am Anfang und wanderten einen Tag später gemeinsam zum Griechen. Wo wir wie immer Spaß hatten, die Dinge überdachten, die Wiesos, die Weshalbs, die Warums. Und den Gedanken ans nächste Mal. Ich freue mich darauf.

 

 

Der Verlauf des XII. Cups am 26.12.2003

Vorrunde Eins

99 II - 98
2:1
2x B.Christiansen, Clausen | Zindel ... 3 Minuten für F.Krieger
04 II - 92 II
0:0
95 - 00
1:2
Seeck | Feddersen, Holzapfel
97 - 04 I
1:0
M. Albertsen
91 I - 93 II
0:4
T. Otto, Timo, 2x Alphonse
12. - 02
0:3
H.Jensen, C.Thomsen, C.Jensen
91 II - 04 III
1:0
A. Kobarg
93 I - 92 III
0:2
A. Clausen, Kowitz
99 I - 03
1:0
Kapukiran

 

 

 

 

 

 

Vorrunde Zwei

98 - 04 II
0:1
Bölke
03 - 99 II
0:5
Clausen, Ingo, 3x Mumm
92 II - 95
1:0
Formeseyn
00 - 97
0:2
M. Albertsen, Sterner
04 I - 91 I
1:0
Brix-Mannshardt
93 II - 12
0:0
02 - 91 II
0:1
J. Krieg
04 III - 93 I
0:1
A. Dohle
92 III - 99 I
0:0

 

 

 

 

 

 

 

Viertelfinale (nach Vorrundentabelle)

4. - 5. 93 II - 92 III
2:1
T.Dohle, Alphonse | KB.Binge
3. - 6. 91 II - 04 II
2:1
S.Larsen, Behrens | Bölke
2. - 7. 97 - 99 I
3:0
2x M.Albertsen, A.Müller-Rode ... 3 Minuten für Schultz
1. - 8. 99 II - 92 II
0:0
Siebenmeterschießen: 2:4

 

 

 

 

Plazierungsspiele (ebenso nach Vorrundentabelle)

17. - 18. 91 I - 03
3:0
2x N.Hansen, Holst
15. - 16. 04 III - 98
1:5
J.Otto | 2x D.Lumme, 2x B.Lehmann, Zindel
13. - 14. 12 - 95
2:1
Broder, Christoph | Seeck
11. - 12. 00 - 93 I
1:3
ET M.Hansen | 2x Mölck, M. Hansen
9. - 10. 02 - 04 I
0:1
Levsen

 

 

 

 

 

Halbfinale

97 - 91 II
0:1
A.Kobarg ... 3 Minuten für A.Müller-Rode
92 II - 93 II
1:2
Friedrichsen | 2x T.Dohle ... 3 Minuten für O.Christiansen

 

 

 

Shootout um Platz

97 - 92 II
2:3
?,? | ?,?,?

 


Finale

91 II - 93 II
2:0
A.Kobarg, Klein




Sieger

Abi 91 II:
Arne Kobarg, Christoph Herzig, Frank Carstens, Jonas Krieg, Jörn Michael Klein, Sascha Behrens, Sven Jacobs, Sven Larsen

 

Endstand:

01. 91 II
02. 93 II
03. 92 II
04. 97
05. 99 II
06. 92 III
07. 04 II
08. 99 I
09. 04 I
10. 02
11. 93 I
12. 00
13. 12.
14. 95
15. 98
16. 04 III
17. 91 I
18. 03